Einfach anfangen

Martina Keller lebt Umweltschutz. Im Privaten wie in unserer Agentur. Als Co-Gründerin und Geschäftsführerin erklärt sie, warum nachhaltiges Handeln von Herzen kommen muss. Inspiration und Tipps für Unternehmen, die klimafreundlich(er) werden wollen.

Martina, wie klimafreundlich ist die Profilwerkstatt eigentlich?

In vielerlei Hinsicht sind wir schon gut. Einer Agentur fällt es aber sicherlich leichter, klimafreundlich zu sein, als Unternehmen, die beispielsweise produzieren. Wir haben von Grund auf einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Trotzdem stellen wir uns immer wieder der Frage, wie wir mehr für den Klimaschutz machen können. Es gibt noch viel zu tun. Und am Ende sind wir nur so gut wie jede und jeder Mitarbeitende.

Was meinst du mit „Wir sind nur so gut wie jede und jeder Mitarbeitende“?

Naja, der Umweltschutz fängt vor der eigenen Haustür an. Wenn ich Montagsmorgens ins Büro komme, und alle Heizungen stehen auf fünf, dann kann ich das nicht mehr rückgängig machen. Ich kann auch nicht kontrollieren, ab wie viel Grad jemand die Klimaanlage hochfährt. Deshalb sind wir als Agentur nur so gut, wie jede und jeder Einzelne von uns.

Und was tut die Profilwerkstatt als Unternehmen konkret für den Umweltschutz?

Wir nutzen zum Beispiel Ökostrom, das hat in der letzten Abrechnungsperiode mehr als 13 Tonnen CO2 eingespart. Wir kompensieren unseren CO2-Fußabdruck und verzichten innerhalb Deutschlands auf Flugreisen, für eine Ausnahme müsste es schon einen wirklich wirklich guten Grund geben. Wir bieten Jobrad an und Jobtickets. Auch Betriebsmittel sind ein Thema: Wir setzen so gut es geht auf regionale und nachhaltige Produkte – wie beispielsweise beim Kaffee oder den Reinigungsmitteln und kaufen Büromaterial lokal. Dabei bemühen wir uns auch, Dinge zu verbessern. Für unser soziales Toilettenpapier von Goldeimer sind wir gerade im Austausch, ob auch eine unverpackte Lieferung möglich ist.

Was bedeutet es denn für dich persönlich, klimafreundlich zu sein?

Ich verstehe darunter, alles zu tun, um der Umwelt möglichst wenig zu schaden. Und dass ich mir immer bewusst bin, dass ich einen ökologischen Fußabdruck hinterlasse. Ein gutes Beispiel dafür ist mein jüngster Aufenthalt in Portugal. Es macht mich verrückt, wenn ich sehe, dass jede Kleinigkeit in einer Plastiktüte verpackt wird. Ich komme dann mit meinem Stoffbeutel und halte es den Verkäufer:innen unter die Nase. Jede Handlung sollte unter der Unterschrift laufen: Ich schädige so wenig wie möglich die Umwelt. Oder auch: Ich denke für andere mit. Ich sammele auch Müll von anderen auf – zum Beispiel am Strand. Kennst du diese Bewegung: Bei jedem Strandbesuch sammelt man drei Stücke Plastik und wirft sie in den entsprechenden Müllbehälter.

„Alles tun, um möglichst wenig der Umwelt zu schaden.“

Martina Keller

Und was bedeutet Deine Haltung wiederum für die Agentur?

Als Unternehmen haben wir unseren Mitarbeiter:innen gegenüber eine Vorbildrolle. Wir müssen sie mitnehmen, unsere Werte vorleben und sie erziehen – so blöd wie das klingt. Damit sie anfangen, das selbst zu machen. Es bringt nichts, mir als Unternehmen Umweltschutz auf die Fahne zu schreiben, wenn es meinen Mitarbeiter:innen egal ist. Außerdem: Nicht nur reden, auch machen! Und zwar aus Überzeugung.  

Apropos Machen: Seit Ende Juni 2021 ist die Profilwerkstatt laut ClimatePartner „klimaneutral“. Was hat es mit dem Label auf sich?

Zusammen mit ClimatePartner haben wir unseren CO2-Fußabdruck erst einmal berechnet und dann durch Kompensationszahlungen vollständig ausgeglichen. Das Label „klimaneutral“ bescheinigt uns damit, dass wir für Treibhausgasemissionen, die wir nicht vermeiden können, an andere Stelle in den Klimaschutz investieren. Für uns ist der ermittelte Wert auch sehr hilfreich, weil er uns anzeigt, wie viel Schaden wir durch CO2-Emissionen verursachen. Und den wollen wir natürlich jedes Jahr verringern. Dafür brauchst du wiederum Ideen. Und die haben viele Mitarbeitende! Wir haben dieses Jahr eine interne Umfrage zur Nachhaltigkeit gemacht. Da kamen sehr viele Vorschläge – wie wir unsere Ressourcen noch besser nutzen können bis zu neuen Ideen für die Mobilität oder unseren Arbeitsalltag. Eine Mitarbeiterin hat beispielsweise vorgeschlagen, die Kamera bei virtuellen Meetings auszuschalten, wenn wir sie nicht brauchen. Um Energie zu sparen. Das war wahrscheinlich nur ein Gramm. Aber das ist genau das, was ich will. An solchen Dingen lernen wir und entwickeln uns weiter. Wir sind ein lernendes System, das immer besser wird. Das finde ich erstrebenswert.

Unser CO2-Fußabrduck vom vergangenen Jahr liegt bei 139.330 Kilogramm. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Das habe ich mich am Anfang auch gefragt! Und: Was machen wir damit? Die Kolleg:innen von ClimatePartner haben uns erklärt, dass der Wert bei einer Agentur schwer mit anderen zu vergleichen ist. Deine eigenen Werte kannst du dagegen sehr gut beobachten und so versuchen, sie immer weiter zu reduzieren.

Das Label steht auch auf unserer Website. Was bringt es, das Label zu kommunizieren?

Nach außen erfüllt es die Rolle, dass wir als Agentur zeigen: der Umweltschutz hat für uns einen großen Stellenwert und wir tun etwas dafür. Einen Schritt weitergedacht auch, dass es Leute anspricht, die ähnliche Überzeugungen haben. Es gibt ja den Spruch: Jeder bekommt, was er verdient. Wenn das Siegel jemanden dazu bewegt, sich bei der Profilwerkstatt zu bewerben, hat es sich schon gelohnt.

Was empfiehlst Du Unternehmen oder Agenturen, die klimafreundlicher werden wollen?

Ich würde mich zunächst fragen, ob es wirklich aus mir herauskommt. Denn wenn nicht, ist es Kosmetik für das Image und das ist unglaubwürdig. So etwas darf man sich heute nicht mehr leisten. Das Thema ist ernster denn je. Wenn man die Frage allerdings mit Ja beantwortet – dann einfach anfangen! Unternehmen können mithilfe des Labels herausfinden, wie viele Emissionen sie verursachen und so den Denkprozess anstoßen: Wo verbrauchen wir viele Ressourcen? An welchen Stellen können wir reduzieren? An welchen verzichten? Und wo umdenken? So können Strategien für den Umweltschutz entstehen und die Aufklärungsarbeit beginnen. Bei allem immer daran denken, die Mitarbeiter:innen mitzunehmen. Das ist ganz wichtig.

Und wie weit soll und muss der Klimaschutz im Unternehmen deiner Meinung nach gehen?

Das ist eine schwierige Frage. Als Agentur können wir schon an kleinen Stellschrauben drehen, aber für große Industrie-Unternehmen ist das eine ganz andere Nummer. Ich finde, du solltest das Maximale herausholen. So viel wie eben geht.

„Was für Unternehmen wichtig ist: Haltung zeigen.“

Martina Keller

Sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit auch ein Thema im Kundenkontakt?

Wir spüren schon seit längerem, dass sich immer mehr Unternehmen nachhaltige Ziele setzen. Klimaschutz ist demnach ein kommunikatives Thema und dabei unterstützen wir sie mit unserer Expertise. Inhaltlich sind wir aber natürlich keine Umweltberatung und deshalb treten wir auch nicht als Klimaapostel auf. Was allerdings für Unternehmen wichtig ist, ist es Haltung zu zeigen. Eine Haltung gegenüber der Umwelt, der Gesellschaft und wenn es um Beziehungen geht – und zwar allen Stakeholdern gegenüber. Das hat auch mit Werten zu tun. Gerade sprechen wir in der Profilwerkstatt über Neues Wirtschaften. Also darüber, dass es nicht nur um Gewinnmaximierung geht, sondern auch darum, Verantwortung zu übernehmen. Und wenn dein Wert Verantwortung ist, betrifft das eben alle Geschäftsbereiche. Auch den Klimaschutz. Er ist Teil eines großen Ganzen.

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Drei Tipps zum direkt Anfangen:

  1. Vermeiden: Das Umstellen auf Ökostrom ist eine der einfachsten Möglichkeiten, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Wichtig ist dabei die „Qualität“ des Stroms: Ist er wirklich zu hundert Prozent regenerativ erzeugt oder nur über CO2-Zertifikate kompensiert?
  2. Reduzieren: Ob Geschäftsreisen, Flüge oder die brummende Heizung. Die Möglichkeiten Energie und sonstige Ressourcen einzusparen sind vielfältig. Oft haben auch die Mitarbeitenden klimafreundliche Ideen. Sie gilt es deshalb in die Überlegungen einzubinden.
  3. Kompensieren: Den CO2-Fußadruck können Agenturen wie zum Beispiel ClimatePartner ermitteln. Unvermeidbare Emissionen lassen sich mit einer Zahlung kompensieren und so Klimaprojekte unterstützen. Der ausgewiesene Betrag ist zugleich ein Anreiz, ihn jedes Jahr von Neuem zu unterbieten.

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Die Profilwerkstatt und Nachhaltigkeit

Energie:

  • Die Profilwerkstatt setzt seit Jahren ausschließlich auf die Verwendung von Öko­Strom. Im letzten Abrechnungszeitraum (2019/20)  haben wir nach Berechnung unseres Stromanbieters entega dazu beigetragen, 13,18 Tonnen C02 einzusparen.

Reisen:

  • Innerhalb Deutschlands bevorzugen wir als Verkehrsmittel die Deutsche Bahn. Autos nutzen wir nur, wenn es nicht anders geht – und einen wirklich wichtigen Grund muss es für innerdeutsche Flüge geben. Wenn es ein Flug sein muss, erfolgt ein CO2-Ausgleich über atmosfair.
  • Wir unterstützen Mitarbeiter mit Zuschüssen zu ÖPNV-Monatstickets und bieten auch die Möglichkeit, ein Jobrad zu leasen.

Im Büro:

  • Wir nutzen ausschließlich Toilettenpapier von Goldeimer, das zu 100 Prozent aus Altpapier produziert wird, Außerdem investiert das gemeinnützige Unternehmen seine Gewinne zu 100 Prozent, um Menschen weltweit den Zugang zu Sanitäranlagen zu ermöglichen.
  • Unseren Kaffee beziehen wir von einer lokalen Kaffeerösterei inkl. Mehrwegsystem für die Aufbewahrung.
  • Stoff statt Papier: Mitte 2020 wurden in allen Toiletten der Profilwerkstatt die bisher verwendeten Papierhandtücher durch Stoffhandtuchspender der Firma Mewa ersetzt.
  • Wir nutzen Mülltüten von Wildplastic, dem ersten Müllbeutel, der die Welt aufräumt.
  • Wir kompensieren den Co2-Fußabdruck, der sich derzeit noch nicht vermeiden lässt und arbeiten ständig daran, dass wir weniger kompensieren müssen: