Culture gibt es nicht ohne People

Was dahinter steckt, was es mit Vertrauen und guten Beziehungen zu tun hat und warum es deshalb mehr ist als nur eine andere Bezeichnung – das erklärt Caroline Schneider, Head People & Culture, im Gespräch mit Katharina Gröger. Katharina ist seit April 2021 Teil der Profilwerkstatt. Sie hatte eine klare Vision, wie die Arbeitskultur in ihrem neuen Job aussehen sollte, und fand in der Profilwerkstatt ihr perfektes Match.

Du hast vor mehr als zwei Jahren eine Rolle in der Profilwerkstatt übernommen, die es bis dahin nicht gab ….

Caro: … ich wurde Head People & Culture.

Andere würden dazu HR sagen ….

Caro: … stimmt. Und für uns ist HR auch Teil von P&C. Nur ist das eben nicht die Leitidee für diesen Bereich. Wir lösen uns mit dem Titel „People & Culture“ von der in der Regel betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt-Sicht, die in HR, also Human Resources, steckt. Es blendet für uns zu sehr den Menschen aus – auch wenn viele HR-Manger:innen, also die, die diesen klassischen Titel tragen, einen tollen Job für ihre Kolleg:innen machen. Wir möchten schon über den Titel signalisieren, dass wir einen anderen Anspruch haben – und es darum anders machen.

Was ist denn anders?

Caro: In dem wir nicht über Ressourcen sprechen, gewichten wir die Arbeit anders. Wir verstehen den Menschen, also jede:n der bald 75 Mitarbeiter:innen, und die Kultur der Profilwerkstatt, als unsere wichtigsten Aufgaben. Da geht es für uns um mehr als, ich sag es mal etwas überspitzt, agentur-typische Klischees wie Tischkicker oder After-Work Yoga. Es geht um ein echtes Interesse an den Menschen, die hier arbeiten: Was sind das für unterschiedliche Persönlichkeiten, was brauchen sie für ihre Arbeit hier, wo liegen Stärken und Potenziale und wie passt das alles zu ihrem Leben? Die Profilwerkstatt möchte eine Arbeitgeberin sein, die zum Leben ihrer Mitarbeitenden passt. Achtsamkeit, auch wenn der Begriff für mich inzwischen etwas überstrapaziert ist, spielt dabei eine zentrale Rolle: Wir “passen auf”, dass wir achtsam miteinander und mit uns selbst umgehen.

Die Profilwerkstatt möchte eine Arbeitgeberin sein, die zum Leben ihrer Mitarbeiter:innen passt

 … wenn du von wir sprichst, meinst du …

Caro: … Martina Keller, unsere Co-Geschäftsführerin und Gründerin, und mich. Wir arbeiten gemeinsam an dem Profil von People & Culture. Außerdem sind bei uns auch noch andere klassische interne Stellen und Aufgaben angesiedelt: zum Beispiel das betriebliche Gesundheitswesen, um das sich eine Kollegin kümmert, aber eben auch Office- und Buchhaltungsaufgaben. Denn nach unserer Idee tragen sie genauso dazu bei, dass Mitarbeiter:innen sich hier wohl fühlen und ihren Job gut machen können. Im Frühjahr nächsten Jahres soll noch ein:e weitere:r Kolleg:in dazu kommen, die Stelle ist gerade ausgeschrieben. Diese Stelle hat dann einige der klassischen HR-Aufgaben wie Gehälter, Lohnbuchhaltung, Vertragsfragen, das Pflegen unserer HR-Software. Denn natürlich müssen wir das alles auch in der Profilwerkstatt übernehmen. Aber wir definieren das Spielfeld weiter.

Definiere dieses Spielfeld doch mal bitte genauer.

Caro: Als ich anfing, wurde HR irgendwie von allen in der Geschäftsführung und immer mehr in unserem Führungsteam gemacht, mal mit mehr, mal mit weniger Absprachen, mal mehr, mal weniger konsequent. Wir haben dann angefangen, erstmal Standards zu entwickeln und bestimmte Routinen einzuführen. Dazu gehört zum Beispiel ein Onboarding-Prozess, der neue Kolleg:innen in den ersten Monaten eng begleitet – vom handgeschriebenen Begrüßungsbrief von der Geschäftsführung bis hin zum Ritual des Begrüßungsfrühstücks, an dem alle aus der Profilwerkstatt teilnehmen. Außerdem werden regelmäßige Mitarbeiter:innengespräche geführt, die mehr als früher die persönliche Entwicklung und Potenzialentfaltung im Fokus haben. Wir sind bei allen Einstellungsgesprächen dabei. Und wir digitalisieren gerade mit der HR-Managementsoftware Personio unsere komplette Organisation. Natürlich hatten wir auch jede Menge Herausforderungen – auch durch die Pandemie, wenngleich Homeoffice schon seit langer Zeit für alle Mitarbeitenden möglich war.

Das klingt jetzt eher schon klassisch …

Caro: Das stimmt. Aber auch wir mussten erstmal ein paar handwerkliche Dinge regeln, bevor wir mit dem anders sein anfangen konnten. Ich beginne mal mit „People“: In der Profilwerkstatt gibt es seit bestimmt 2,5 Jahren keine Zeiterfassung mehr. Wir leben Vertrauensarbeitszeit, damit haben wir schon vor Corona und Homeoffice angefangen. Bei uns heißen Personalkosten „Investitionen in Mitarbeiter:innen“ und auch das ist nicht einfach nur eine andere Umschreibung, sondern eine andere Haltung. Wir arbeiten nicht mit Personalplänen. Martina hat eine Ausbildung zum Business-Coach. Ich habe unter anderem Arbeits- und Organisationspsychologie studiert, lange Projekt- und Kundenteams geführt und bin in einer Ausbildung zu „Systemisch führen“, über die ich bald eine nach DGfS anerkannte Systemaufstellerin bin. Wir können mit diesen Kompetenzen Fragen zur Entwicklung, aber auch zu Problemen und Konflikten von Kolleg:innen untereinander oder mit ihren Vorgesetzten ganz anders aufnehmen und Wege oder auch Lösungen aufzeigen. Was uns antreibt, ist die Entwicklung jedes Einzelnen. Und wir sind damit auch Beraterinnen der Vorgesetzten.

Beraterinnen der Vorgesetzten – welches Verständnis von Führung habt ihr?

Caro:  Die Führung von Menschen wird immer noch zu oft als etwas betrachtet, was irgendwie jeder schon irgendwie kann. Das stimmt nicht. Wir kümmern uns mit People & Culture darum, dass wir es bei uns lernen. Jemanden führen zu können bedeutet zunächst einmal, sich selbst führen zu können. Das ist ein riesen Schritt in der Einstellung zu dieser Rolle und auch sich selbst gegenüber. Jede:r, der:die in der Profilwerkstatt aus der normalen Alltagsposition des:der Kolleg:in in eine Führungsposition wechselt und Verantwortung für Mitarbeiter:innen übernimmt, nimmt an einem Seminar mit dem Titel „Gestern Kolleg:in, heute Führungskraft“ bei Team Benedikt teil. Denn man muss sich auf diesen Wechsel und die neue Rolle vorbereiten. Und in diesem Prozess, den wir auch intern begleiten, erkennen wir auch, ob es wirklich die richtige Rolle ist. Dieses Führungsverständnis  immer weiterzuentwickeln, auch mit immer neuen Angeboten, das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.

Wir wollen es so gut wie irgendwie möglich machen, Familie und Beruf positiv zu verbinden.

Und „Culture“?

Caro: Kultur in einem Unternehmen gibt es nicht ohne die Menschen. Die Mitarbeiter:innen machen die Kultur, die Führungsebene macht die Kultur, die Gründer:innen machen die Kultur – eine Unternehmenskultur ist also die Summe all dessen. Sie kann nicht statisch geplant oder erzwungen werden, aber man kann einen Rahmen dafür geben. Genau deshalb vereinen wir das bei uns. „People & Culture“ ist, wenn man das klassisch beschreibt, in der Profilwerkstatt direkt bei der Geschäftsführung aufgehängt und für alle Clans, das ist vergleichbar mit Units, zuständig. So sind wir so etwas wie die Hüter einer gemeinsamen Profilwerkstatt-Kultur. Dazu gehören Feedbackgespräche, wertschätzender Umgang miteinander, auch Jobrad-Angebote, Jobtickets, die Clans nutzen Kanban, um sich zu organisieren. Ich glaube, es gibt 20 Teilzeitmodelle, die es allen so gut wie es irgendwie möglich machen, Familie und Beruf positiv zu verbinden. Doch Kultur hat noch eine andere Dimension: Wir haben in diesem Jahr angefangen, den Purpose der Profilwerkstatt wieder zu polieren, wie wir sagen. „Warum gibt es die Profilwerkstatt? Was trägt sie bei, auch für die Gesellschaft?“

Was erwartet ihr von einem solchen Purpose-Prozess?

Caro: Wir hatten bisher in den vergangenen 27 Jahren immer wieder Wachstumsschübe. So sind wir bis 2019 auf fast 90 Mitarbeiter:innen gewachsen, 2020 hatten wir, wie so viele andere Unternehmen auch, ein schwereres Jahr, auch mit Entlassungen. Jede:r, der:die in der Profilwerkstatt arbeitet, bringt ihre:seine eigene Interpretation von ihrer:seiner Arbeit und auch von der Agentur mit, und wir fanden es an der Zeit, dass wir all diese Interpretationen von langjährigen PWlern und neuen, gerade auch nach einem harten Jahr, zusammenfügen. Und abgleichen mit dem Motiv, warum Martina und Ralf die Profilwerkstatt gegründet haben, um ein gemeinsames Bild daraus zu machen. Auf dem Weg sind wir gerade, und People & Culture ist federführend involviert − und was wir bis jetzt erarbeitet haben, das gibt echt Motivation. Und zeigt, dass eigentlich schon alles da ist, manchmal muss man es sich eben nur wieder vergegenwärtigen.

Das alles klingt aber ziemlich altruistisch und wenig wirtschaftlich orientiert.

Caro: Ganz so ist es nun auch wieder nicht, klar.  😊 Wir alle im Führungsteam der Profilwerkstatt sind aber davon überzeugt, dass diese grundsätzliche Einstellung zu Menschen und Kultur elementar ist für die Zukunft der Agentur. Das hat wenig mit der Erwartungshaltung von Generation X,Y oder Z zu tun, sondern mit der Überzeugung, dass Menschen am besten zusammen wirken, wenn sie in einer guten Beziehung zueinanderstehen – und dass das dann den Effekt hat, dass sie auch gemeinsam wirtschaftlich erfolgreicher sind.

Foto Header: André Frank, Profilwerkstatt